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Geschichten von damals

Unser ehemaliger Kamerad Josef Schlögl, Feuerwehrmitglied von 1949 bis 2008, berichtet über heitere Episoden aus der Geschichte der Feuerwehr Pilgersdorf.

Der Streit

Als im Jahre 1905, unsere Heimat war noch viele Jahre fixer Bestandteil von Ungarn, die damals noch junge Feuerwehr Pilgersdorf ihr 15-jähriges Bestandsjubiläum beging, hat man aus diesem Anlass ein großes Fest vorbereitet. 

In Pilgersdorf existierte bereits eine im Höhepunkt ihres Schaffens stehende Musikkapelle unter Führung des Kapellmeisters Matthias Renner (im Volksmund: BINTA MOTZ), doch die Feuerwehrführung unter Kommandant Müllermeister Paul Schermann beabsichtigte für dieses große Fest eine fremde Musikkapelle aus Güns oder Ödenburg zu engagieren. 

Dadurch fühlte sich Matthias Renner in seiner Ehre gekränkt und war schwer beleidigt, was in der Folge zu einem heftigen Streit mit dem Feuerwehrkommandanten führte, welchem der Kapellmeister unmissverständlich und ultimativ mitteilte: "Du kannst aufnehmen, wen du willst, aber spielen werden wir. Wir musizieren zur Ehre Gottes und nicht um Geld. Und jeder ortsfremde Musikant, der an diesem Tag unser Dorf betritt, wird von uns davongejagt." Um einen Skandal zu vermeiden, kapitulierte der Feuerwehrkommandant. Es wurde, wie überliefert, ein wunderschönes Fest.

Die Segnung der ersten Motorspritze

Als unsere Feuerwehr etwas mehr als 40 Jahre alt war, bekam sie ihre erste Motorspritze, eine Rosenbauer B 48, welche für damalige Verhältnisse ein hervorragendes und modernes Gerät darstellte. Gleichzeitig wurde ein robuster Mannschafts- und Gerätewagen für Pferdebespannung erworben, wodurch unsere Wehr beachtlich aufgewertet wurde. Die erste große Bewährung haben die Geräte beim Brand der Kindl-Mühle in Kirchschlag bestanden. 

Zur Segnung der Motorspritze wurde am 6. Juni 1931 ein prunkvolles Fest gefeiert. Zahlreiche Ehrengäste aus Bezirk und Land waren anwesend, die Militärkapelle Pinkafeld marschierte bereits frühmorgens mit einem Weckruf durch den Ort. 

Am Nachmittag fand dann unter anderem auch eine große Schauübung statt, für die schon während der ganzen Woche das damals noch offen fließende "Brunnenbachl" aufgestaut wurde, da es im ganzen Ort noch keine für das neue Gerät ausreichende Wasserentnahmestellen gab. Man wollte ja den Ehrengästen und der Bevölkerung die neue Errungenschaft präsentieren und zeigen, was die Motorspritze alles kann. 

Für uns Buben, damals noch kleine Schulkinder, war das eine große Sensation und wir hatten sehr viel Spaß daran, vom Wasserstrahl der Strahlrohre getroffen und herumgewirbelt zu werden. Als wir am Abend total durchnässt und schmutzig nach Hause kamen, hatten unsere Eltern weniger Freude daran. 

Dieser ereignisvolle und eindrucksvolle Festtag blieb vielen von uns stets in Erinnerung. In den folgenden vier Jahrzehnten hat sich die Spritze vielfach bewährt.

Die Getränkerechnung

Am 25. Juni 1950 konnte anlässlich der Feiern zum 60-jährigen Gründungsjubiläum das neu errichtete Feuerwehrhaus seiner Bestimmung übergeben werden. Da das Gebäude jedoch nicht ganz den damaligen Richtlinien und Vorschriften entsprach, war zwar eine Hausübergabe, aber keine Segnung möglich. Jedenfalls wurde am obgenannten Tag aus diesem Anlass ein großes Fest veranstaltet. Viele Ehrengäste und Prominente waren erschienen, um zu gratulieren. Der Bürgermeister Josef Puhr und der Kommandant Josef Renner lobten in ihren Ansprachen voller Stolz die Leistungen der Feuerwehr und das ihrer Ansicht nach gut gelungene neue Haus. 

Obwohl in Pilgersdorf eine Musikkapelle, die unter meiner Leitung stand, existierte, entschloss sich das Feuerwehrkommando eine echte Burgenlandkapelle aus dem Rabnitztal zu engagieren. Diese spielte dann auch mit sechs Mann in Originaltracht mit Stiefelhose und blauer Schürze (Fürtuch-Fiata) auf. Die Musikanten bemühten sich redlich und verstanden auch etwas vom Trinken. Nach dem Festakt am Nachmittag wurde bis zum nächsten Tag, als die Sonne schon hoch am Himmel stand, im Gasthaus Hollenthoner gefeiert und musiziert. 

Die Gage für die Musiker war nicht sehr hoch. Überrascht war man aber, als man die Getränkerechnung für diese sechs Personen beim Wirt begleichen wollte, da diese offensichtlich die Rekordmenge von 36 Litern Wein und 4 Litern Schnaps konsumiert hatten. Danach war man beim Aufnehmen von Musikgruppen wesentlich vorsichtiger.

Das Bad im Sautrog

Ziemlich genau zu Mittag am 8. Oktober 1957 brach in Salmannsdorf ein Brand aus. Die Feuerwehr Pilgersdorf wurde rasch alarmiert und wir wurden samt unserem Gerät mit dem Lastwagen der Firma Winhofer nach Salmannsdorf gebracht. Dort bot sich das verheerende Bild eines Großbrandes. Da jedoch kaum Löschwasser zur Verfügung stand, wurden die Tanklöschwagen aus Oberpullendorf und Pinkafeld zur Hilfe geholt, welche dann zwischen dem Zöbernbach bei der Mühle in Bubendorf und Salmannsdorf pendelten und so Löschwasser zum Brandplatz brachten. 

Weiters wurde auf Anweisung des Einsatzleiters mit mehreren Aggregaten eine Löschleitung vom Günsbach nach Salmannsdorf aufgebaut. Wir waren als vorletzte Wehr vor der Brandstelle eingeteilt. Weil man mit dem Hintereinanderschalten der Pumpen noch nicht so vertraut war, hat man vor jeder Pumpe einen Sautrog hingestellt, von welchem das herangebrachte Wasser mit der nächsten Maschine weiterbefördert wurde. 

Eine solche Leitung brauchte natürlich eine Aufsicht. Der Kommandant-Stv. aus Günseck wurde mit dieser Funktion betraut und war ständig entlang dieser langen und gut funktionierenden Löschleitung unterwegs. Gerade als unser Maschinist Johann Mandl kurz den Motor abstellte um nachzutanken, kam der Kontrollor des Weges. Dieser sah, wie der Sautrog überlief und somit das mühsam gewonnene Löschwasser, das man am Brandplatz so notwendig brauchte, wieder den Berg hinunterrann. 

Er stellte unseren Maschinisten zur Rede und machte ihm Vorwürfe. Johann Mandl, ein sehr tüchtiger und gewissenhafter Maschinist, war ob dieser Anschuldigungen schwer beleidigt und gereizt und so kam es zu einem heftigen Wortwechsel. Hierbei machte der Kontrollor abfällige Bemerkungen über unser in die Jahre gekommenes Gerät, was letztendlich das Fass zum Überlaufen brachte. Es folgte ein Handgemenge. Die beiden Streithähne stolperten über die Schlauchleitung und fielen beide in den bis zum Rand mit Wasser gefüllten Sautrog. Das war für den Moment Abkühlung genug. Der Streit war unterbrochen und unser Maschinist startete gleich wieder die Motorspritze. Bei den darauffolgenden Kontrollgängen sagte man sich noch mehrmals gegenseitig schmeichelhafte Worte. 

Die Löschleitung wurde bis Einbruch der Dunkelheit aufrecht erhalten. Am Abend, als der Brand gelöscht war, lud die Gemeinde Salmannsdorf alle Feuerwehrkameraden zur Stärkung in das Dorfgasthaus, wo dann auch bei einem Glas Wein die Versöhnung zustande kam. 9 Objekte brannten vollständig nieder und zahlreiche andere Gebäude wurden beschädigt. Unsere Motorspritze B 48 bestand damals ihre größte Bewährungsprobe mit mehr als 7 Stunden Dauerbetrieb.